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Ok, der erste Blogeintrag. Was schreibt man da? Also der erste richtige Eintrag. Nicht dieses Hallo hier bin ich Ding was man ja setzen muss damit das frische WordPress nicht so leer aussieht. Ich habe mich entschieden über Minimalismus zu schreiben. Zum einen, weil Minimalismus in meinem Leben einiges verändert hat und zum anderen, weil es in diesem Blog immer mal wieder darum gehen soll diesen Lebensstil zu leben und zu entwickeln.

zengarden

Aber was ist eigentlich Minimalismus? Wikipedia sagt dazu (sic!):

Einfaches Leben (englisch simple living), auch freiwillige Einfachheit (engl. Voluntary simplicity), Minimalismus oder Downshifting genannt, bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Konsumkritische Menschen versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu führen. Gelegentlich wurde der Lebensstil mit dem Akronym LOVOS abgekürzt (englisch Lifestyle of Voluntary Simplicity); manche einfach Lebende gelten als Aussteiger.

Wait what? Das meiste davon trifft auf mich schon mal nicht zu. Ich habe nichts gegen Konsum und zum Leidwesen meines Kontos gebe ich dem Konsumdrang auch viel zu oft nach. Aber wie bei vielen Dingen, die eine persönliche Lebenseinstellung betreffen gibt es hier nicht DIE Wahrheit, kein Regelwerk ,welches für alle gleichermaßen gilt. Jeder muss hier seinen eigenen Weg finden. Das hier ist deshalb meine Geschichte dazu. Vielleicht gibt sie euch aber Anregungen Teile davon selbst umzusetzen. Um das ganze Thema etwas verständlicher zu machen breche ich es mal in mehrere Teilbereiche auf.

Physischer Minimalismus

Hier begann für mich der Weg. Es bedeute mich von unnötigen Dingen zu trennen. Ich nenne das physischen Minimalismus. Also alles was sich auf Dinge bezieht, die einen umgeben und man durch das entfernen dieser Dinge sein Leben verbessert. Bei mir waren es tatsächlich sehr praktische Überlegungen die mich in Richtung Minimalismus trieben. Der Hauptgrund: ich bin ein Putzmuffel. Hausarbeit ist für mich ein notwendiges Übel, nichts was mir in irgendeiner Art Befriedigung bringt. Währende der Zustand meiner ersten Wohnung höchstens noch als Kunst durchgegangen wäre, so habe ich mich dennoch durch diverse Umzüge und Änderungen der Lebensumstände zu einer recht ordentlichen Person entwickelt. Aber trotzdem war nie ein Zustand erreicht bei dem ich mich einfach zurücklehnen und denken konnte, dass es gut so war. Das lag vielleicht aber auch daran, dass ich nie wirklich darüber nachgedacht hatte. Das änderte sich als ich in meine jetzige Wohnung zog. In den riesigen Altbau-Zimmern wollten meine Möbel einfach nicht passen und den hinzugewonnenen Platz nutzte ich eher um unnützen Krempel zu lagern.

Aber ich mag es wenn meine Wohnung oder mein Büro sauber sind und ich auf meinem Schreibtisch nicht lange nach Dingen suchen muss. Klar, putzen und aufräumen hilft. Aber wie ändere ich grundlegend etwas? Der einfachste Lösungsansatz hier: Ich muss mich von Sachen trennen. Denn was nicht da ist muss man auch nicht putzen. Doch was fliegt raus und was darf bleiben? Die von vielen Ratgebern propagierte Methode Alles weg was nicht innerhalb des letzten Monats benutzt wurde erschien mir dann doch zu extrem. Da die Grundüberlegung aber gut war übernahm ich sie, erweitert auf 6 Monate. Das funktionierte auch gut. Bis auf einige, wenige Gegenstände, die emotional behaftet waren, flog vieles raus. Hey das war ja jetzt echt einfach.

Das Monster im Schrank

Ich sah zufrieden auf mein Werk bis mein Blick am Kleiderschrank hängen blieb. Darin wartete ein Monster. Der große weiße IKEA Pax war für einen Single-Mann absolut überdimensioniert. Die Folge: Ich kaufte zwar hin und wieder neue Klamotten aber die alten wurden nicht entsorgt. Warum auch? Der Platz schien unendlich. Meine Befürchtungen bestätigten sich, als das Hemd was ich mit dem ersten Griff hervorzog aus Zeiten stammte als Schröder noch Kanzler war. Es half nichts. Auch hier musste ausgemistet werden. Ich legte 5 große Plastiksäcke bereit, was sich bald als hoffnungslos optimistisch erwies.

Prince of bel Air
Entsorgte Kleidung (Symbolfoto)
Quelle: Stuffpoint.com

Allerdings schien mir die 6-Monate-Regel hier etwas unpassend. Schließlich gibt es Jahreszeiten und im September war es klar, dass die Winterjacke bereits mehr als ein halbes Jahr unbenutzt im Schrank hing. Also das ganze auf 12 Monate erweitert und schon leerte sich der Schrank zusehends. Ja jetzt war noch mehr Platz. Aber den füllte ich zumindest teilweise mit Technikkram aus dem ehemaligen Schreibtisch (dazu später mehr) und dem Staubsauger, der seit der Anschaffung eines Saugroboters ohnehin kaum noch in Benutzung ist. Vielleicht fällt er irgendwann der 6-Monate-Regel zum Opfer. Außerdem ist der Single-Mann inzwischen nicht mehr Single. Das heißt dank Frau im Haus wird der Platz für Kleidung Mangelware. Ich weiß, sexistische Kackscheiße aber wer mir ne Statistik zeigt, die das Gegenteil beweist, werfe den ersten Onesie.

IKEA liebt Minimalismus

Gewagte These, ich weiß. Aber ich versuche das mal zu erläutern. Im Zuge der großen Entsorgungswelle kamen auch irgendwann die Möbel ins Blickfeld. Der berühmte Poäng Sessel, in dem man schon ewig nicht mehr saß weil er in der neuen Wohnung einfach keinen richtigen Platz fand oder der Schreibtisch der jetzt seltsam leer aussah.

Die Lösung war eine Mischung aus Entsorgung und Tausch. Der Poäng, zwei Billy-Regale und zwei Sideboards wurden verschenkt. Ausgetauscht wurden die Couch und der Schreibtisch. Schreibtisch ist eigentlich übertrieben. Eine Tischplatte (Linnmon) auf zwei Böcken (Lerberg) bildete den neuen Arbeitsplatz. Der Tisch war jetzt zwar immer noch ziemlich leer aber mit dem einfachen Stil des Möbelstücks sah es passend aus. Außerdem war es der günstigste Schreibtisch den ich je gekauft habe.

Natürlich muss das nicht immer alles von IKEA sein aber in meinem Fall passten die Angebote vom gelb-blauen HotDog-Stand am besten. Deshalb liebt IKEA zumindest meinen Minimalismus.

Könnt Ihr mir noch folgen? Gut! Kommen wir zu etwas komplett anderem:

Digitaler Minimalismus

Was ist das jetzt wieder? Ok eigentlich ist es nichts anderes. Der letzte Satz diente nur der Dramatisierung. Es handelt sich genau genommen um das gleiche wie beim physischen Minimalismus nur bezogen auf die digitale Welt. Das heisst Apps, Abos und Dienste wurden rigoros nach den oben bereits erwähnten Regeln analysiert und bei zu geringer Nutzung gelöscht, gekündigt, ins digitale Nirvana geschickt oder was man sonst macht um sich von solchen Sachen zu trennen. Tatsächlich war ich überrascht wieviele Onlinedienste man nutzt und wieviele Abos man abgeschlossen hat. Selbst während ich diesen Artikel schrieb wurden wieder zwei davon gekündigt. Der Apple Appstore gibt einem zum Glück einen guten Überblick sofern man alles über diesen gebucht hat. Natürlich blieben die üblichen Verdächtigen wie Spotify und Netflix (was bei mir herkömmliches Fernsehen fast komplett verdrängt hat) übrig. Überhaupt ergaben sich die meisten Abos aus meinem Medienkonsum. Im Moment kämpfen Spotify und Apple Music noch um den Musik Platz. Aber das ist sicher Thema für einen späteren Blogeintrag.

Nachdem auch die letzte unnötige App gelöscht war begrüsste mich ein ziemlich leerer Homescreen auf meinem Telefon. Und was soll ich sagen… nach einer kurzen Eingewöhnung will ich es gar nicht mehr anders haben.

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Doch all das, was bisher geändert wurde, ob physisch oder digital war eigentlich nichts anderes als eine Inventur. Damit es nicht bei einer einmaligen Bereinigung bleibt wird noch etwas benötigt.

Eine minimalistische Lebenseinstellung

Der Minimalismus im Kopf ist in diesen Fall ausnahmsweise mal nichts negatives. Hier geht es darum sich bewusst zu machen welche Vorteile man durch einen Lebensstil gewinnt bei dem man nicht versucht noch ein Kleidungsstück in den Schrank zu quetschen oder das Deko-Objekt ins Regal zu stellen, was dann allenfalls noch durch den angesammelten Staub auffällt. Das befreit tatsächlich von Zwängen, von denen man manchmal nicht wusste dass man ihnen unterliegt.

Dabei muss man nicht mal den kompletten Konsumverzicht betreiben, wie es der obige Wikipedia-Artikel nahe legt. Es geht eben auch darum seinen Minimalismus zu finden. Jeder sollte dabei nur so weit gehen wie man sich wohl fühlt. Und dann einen Schritt weiter um seine Grenzen zu testen.

Oft verändert sich das Ziel auch im Laufe der Zeit. War der Wunsch nach einer einfacheren Möglichkeit meine Wohnung sauber zu halten meine anfängliche Triebfeder, genieße ich jetzt auch die Vorteile mich von unnötigem Ballast befreit zu haben und die in meinen Augen optische Ästhetik einer minimalistischen Einrichtung. Und mein Weg ist auch noch lange nicht zu Ende. Denn es gibt sie noch…

Die Leichen im Keller

Das ist bei mir zunächst sprichwörtlich der Keller. Denn hier landeten alle die Dinge, die durch das Entsorgungsraster fielen aber dann entweder aus emotionalen Erwägungen oder in einem schwachen Moment vor dem Fegefeuer gerettet wurden.

Auch mein Kleiderschrank könnte einen weiteren Durchlauf des 12-Monate Filters vertragen. Irgendwie schafften es doch ein paar exotische Stücke sich dem Kleidersack zu entziehen. Der Kleiderspende und meiner Freundin würde das sicher sehr gefallen.

Und dann gibt es dann noch dieses eine Fach im Schrank, dass sich bisher allen Versuchen widersetzt hat dort aufzuräumen und seitdem als Sammelort für alles dient, was einfach nicht in die Wohnung passen will aber mit dem ich auch irgendwie noch nicht abgeschlossen habe. Vielleicht brauche ich aber auch einfach ein solches Fach als Rückzugsort für meinen inneren, chaotisch veranlagten Schweinehund. Und den Keller als größere Variante davon.

Das Ende

Das Ende dieses Blogartikels haben wir erreicht. Aber wann ist das finale Minimalismus-Ziel erreicht? Zumindest für mich kann ich sagen, dass das wohl niemals der Fall sein wird. Ich sehe das eher als eine konstante Weiterentwicklung. Manchmal ist es einfach an der Zeit sich selbst zu fragen ob man noch den für einen selbst richtigen Weg geht. Auch sollte man sich nicht von Rückschritten entmutigen lassen. Und dann sind dann noch diese, sich ab und zu ändernden Lebensumstände, welche auch eine Herausforderung für die selbst gewählte Lebensweise sein können.

Wie sich zum Beispiel meine Beziehung auf meinen Minimalismus auswirkt wird die Zukunft zeigen. Vielleicht berichte ich in einem späteren Update davon. Ich hoffe, euch gefällt erst einmal dieser kleine Beitrag. Solltet ihr Fragen oder Anregungen haben, könnt ihr sie gerne in den Kommentaren hinterlassen.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. chocokekskrueml sagt:

    Hat dies auf Ein Keks packt aus rebloggt.

    Gefällt 1 Person

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